Letzte Woche hat mein Kollege mich für alte Kartoffelsorten begeistert und wir haben kurzerhand eine Bestellung bei Kartoffel Müller aufgegeben. Die Auswahl ist so beeindruckend wie die lustigen Namen der alten Kartoffelsorten: »Bamberger Hörnchen«, »Kefermarkter Zuchtstamm« oder »La Bonnotte« – die angeblich teuerste Kartoffel der Welt.

Angesichts dieser riesigen Auswahl ist es umso erstaunlicher, dass im Handel immer nur »Sieglinde« und »Linda« in den Regalen zu finden sind – die Sorten in unseren Supermarktregalen sind hochgezüchtete Kartoffeln für die Massenproduktion, die vor allem ertragreich, widerstandsfähig und gleichförmig sein sollen. Blöd nur, dass diese Merkmale auf Kosten des Geschmacks gehen.

Back to the Roots

In den letzten Jahren haben einige Betriebe und Sebstversorger*innen die alten Sorten wieder neu entdeckt, was sicherlich auch der Urban-Gardening-Bewegung zu verdanken ist. Aber eben auch Betrieben wie Kartoffel Müller, die laut Website seit 25 Jahren alte Kartoffelsorten vertreiben.

Ich war sehr aufgeregt, als ich meine Bestellung in den Händen hielt und andächtig nach Hause an den heimischen Herd trug. Jeden Arbeitsschritt habe ich zelebriert und mir alles genau angeschaut. Die Schale, das Fleisch, der Geruch: alles war irgendwie intensiver als bei normalen Kartoffeln.

Vielfalt statt Einfalt!

Ich habe insgesamt 5 Sorten mit heim genommen (mein Kollege und ich haben munter die Sorten getauscht). Am letzten Wochenende habe ich dann die Sorten: »Hermanns Blaue« und »Ungarische Lange« zubereitet. Laut Angaben im beigelegten Katalog sind beides »vorwiegend festkochende« Sorten, aber seht selbst:

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»Hermanns Blaue«
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»Ungarische Lange«
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»Hermanns Blaue«, halb geschält

Ich wollte aus den Kartoffeln zweierlei Sorten Kartoffelstampf machen und habe beide Sorten geschält und ca. 20 Minuten in sprudelndem Salzwasser gekocht.

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Vor dem Kochen
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Nach dem Kochen

Nach dem Kochen musste ich aber feststellen: »Hermanns Blaue« hatte eher eine mehlige Konsistenz und die »Ungarische Lange« war eher noch fest. Ich habe spontan umdisponiert und aus der mehligen Sorte Kartoffelstampf und aus der festeren Sorte Bratkartoffeln gezaubert.

Die Mischung beider Sorten im Kartoffelstampfaud dem unteren Foto  ist übrigens folgendem Malheur zu verdanken: ich habe zu viel Milch genommen, sodass der Stampf nicht fest genug war, da musste schwupps noch eine weitere Kartoffel zur Festigung her.

Bratkartoffeln sind übrigens genauso gut für die Seele wie Pfannkuchen) . Als allererstes habe ich aber beide Kartoffeln pur probiert und war überwältigt: so einen intensiven Kartoffelgeschmack hatte ich vorher noch nie erlebt.

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Links: Kartoffelstampf. Rechts: Bratkartoffeln

Fazit:

Alte Kartoffelsorten sind faszinierend und köstlich! Es ist ein besonderes Gefühl etwas zuzubereiten, was man nicht jeden Tag zu Verfügung hat.

In verschiedenen Biomärkten habe ich in der letzten Zeit öfters alte Gemüsesorten gefunden – es gibt auch schön-bunte und leckere alte Möhrensorten. Ich habe extra Sorten bestellt, die auch zur eigenen Aussaat geeignet sind, was ich im nächsten Gartenjahr auf jeden Fall ausprobieren werde.