Jeder erinnert sich sicher an seine ersten Backversuche: jung und naiv, wie ich mit 15 war, wollte ich einen Hefekuchen backen, der im Rezeptbuch herrlich fluffig aussah. Die Realität war alles andere als fluffig, der Kuchen war steinhart.

Solche Missgeschicke sollten mir in den folgenden Jahren noch häufiger begegnen und passieren mit auch heute noch. Wenn ich mir im Nachhinein anschaue, woran es gelegen hat, dann ist es glasklar, warum es dazu gekommen ist: Eile, schlechte Vorbereitung und Ungenauigkeit sind meine häufigsten Fehler beim Backen.

Das erklärt auch, warum mir Backprojekte misslingen, wenn Besuch ansteht, denn dann bin ich aufgeregt und will, dass es auf jeden Fall klappt, beeile mich und bin mit meinen Gedanken schon beim Tisch decken und mir fällt ein, dass ich ja auch noch meine Nägel lackieren wollte. Wohingegen mir die tollsten Kuchen, Cupcakes und Plätzchen gelingen, wenn ich nur für mich aus Spaß backe.

Mit ein paar kleinen, aber hilfreichen Tipps gelingt mir das Backen besser und ich habe mehr Freude an den Ergebnissen. Hier sind meine Tipps:

1. Wenn Du lesen kannst, dann kannst Du auch backen!

Ich behaupte sogar, dass Backen leichter gelingen kann als Kochen! Warum? Beim Kochen ist mehr spontanes Handeln gefordert und Gerichte werden außergewöhnlicher, wenn man die Rezepte leicht abwandelt und hier und da eine andere Zutat verwendet oder noch ein Körnchen mehr Gewürz hinzugibt.

Beim Backen ist das anders: Backen erfordert Disziplin. Eine Hefeteig gelingt nun mal am besten, wenn das Verhältnis von Mehl, Hefe, Ei und Milch stimmt und das geht am leichtesten mit einem erprobten Rezept (sicherlich gibt es auch Profis, die nach Gefühl backen. Ich habe eine Freundin, die backt immer frei nach Schnauze. Oder meine Mutter, die Pfannkuchen nach Gefühl backt. Das erfordert irre viel Erfahrung).

Daher ist auch die Auswahl des Rezeptes wichtig. Für Grundteige greife ich gerne auf die Klassiker in meinem Bücherregal zurück. Achtet bei Rezepten aus Foren auf die Bewertung anderer Nutzer*innen. Sind diese gut, dann haben andere das Rezept schon ausprobiert und für gut befunden.

Dann gilt es, Schritt für Schritt den Mengenangaben, Handgriffen sowie Temperatur- und Zeitangaben zu folgen. Es hat einen Sinn, wenn das Rezept eine Ruhephase des Teiges im Kühlschrank vorsieht. Auch die Reihenfolge der Arbeitsschritte und die Hinzugabe von Zutaten solltet ihr hier unbedingt beachten.

2. Bereite Dich gut vor!

Wenn Du ein Rezept aus dem Internet verwendest, dann drucke es aus oder schreibe es auf. Nichts ist lästiger, als mit mehlverschmierten Fingern auf dem Tablet oder auf dem Smartphone rumzufuchteln. Außerdem kannst Du Dir so Notizen machen, wichtige Stellen markieren und erledigte Arbeitsschritte abhaken.

Das Setting ist wichtig: lege Dir alle benötigten Zutaten und Werkzeuge vorher bereit (so merkst Du auch jetzt schon, wenn Du Eier vergessen oder nicht mehr genug Mehl im Haus hast). Wenn Du Zutaten schneiden oder waschen musst, dann mach das vor dem eigentlichen Backen! Wenn  Chaos in der Küche herrscht, dann beseitige es besser vorher, damit Du später alles wieder findest und genug Platz hast. Ich stand schon mit heißem Blech mitten in der Küche und wusste nicht wohin damit – so was kannst Du verhindern, wenn Du vorher Platz und Ordnung schaffst.

Mach es Dir schön in Deiner Küche, koche Deinen Lieblingstee und lege Deine Lieblingsmusik leise im Hintergrund auf.

waage

3. Nimm Dir die Zeit!

Backen braucht Zeit! Die meisten Rezepte haben ungefähre Zeitangaben getrennt nach Zubereitungs- und Backzeit. Wenn Du um 16 Uhr noch einen Termin hast, dann solltest Du  um 15 Uhr besser nicht mehr anfangen, einen Frankfurter Kranz zu backen. Ich backe am liebsten und am besten, wenn ich danach keine Termine mehr habe und theoretisch unendlich lange in der Küche werkeln kann.

Als ersten Arbeitsschritt solltest Du immer alle Zutaten abwiegen und bereitstellen. Im Fernsehen frage ich mich an dieser Stelle  zwar immer, wer zur Hölle das alles Spülen soll, wenn der 15. Probierlöffel aus der Schublade gezaubert wird, aber es macht Sinn! Da kein Mensch so viele zusammenpassende Schüsselchen hat, nehme ich immer, was da ist und das sind vor allem Tassen und Gläser.

Was mich früher beim Backen oft unter Druck gesetzt hat ist der vorgeheizte Ofen: in den meisten Rezepten wird das Vorheizen des Ofens früh empfohlen. Da mein Ofen relativ schnell aufheizt, kam ich häufig in die Bredouille, dass ich ihn nicht so lange ohne Inhalt heizen lassen wollte und beeilte mich dann. Heute heize ich  immer erst vor, wenn alles soweit fertig ist. Während der Ofen dann in Ruhe vorheizt, bleibt Zeit für eine gemütliche Tasse Kaffee und ein paar Fotos für den Blog.

4. Arbeite mit Lineal und Waage!

Es klingt erstmal verrückt, ist aber empfehlenswert, wenn Du schöne Ergebnisse haben willst. Wenn das Rezept sagt: »forme aus dem Teig kleine Kugeln«, dann steht die Guste mit der Küchenwaage da und wiegt jede Kugel einzeln ab, damit auch alle gleich groß sind. Wenn das Rezept sagt: »schneide den Teig in Streifen«, dann steht die Guste mit dem Lineal parat und misst jeden einzeln ab.

Das ist kein Muss und ich mache das auch nicht immer. Schau einfach, wie Du mit diesem Vorschlag zurecht kommst und ob es Dir das Backen erleichtert. Wenn Du Dich dadurch unter Druck gesetzt fühlst, dann lass es und schneide und forme lieber aus der Lamäng heraus!

5. Verwende hochwertige Zutaten!

Mit guten Zutaten backt es sich besser. Unter hochwertig verstehe ich vor allem „moralisch“ gute Zutaten: ich kaufe Milch in Flaschen vom regionalen Bauer, ich verwende regionale Bio-Eier, bei Kakao und Kaffee achte ich darauf, dass er fair gehandelt wird usw. Ich verwende die meisten Zutaten auch noch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum (eine Ausnahme ist dabei Ei für Tiramisu).

Ich finde es wichtig, sparsam und bewusst mit allen Zutaten umzugehen und nichts wegzuwerfen. Wenn ein Rezept nur Eigelb erfordert, dann suche ich vorher noch ein Rezept heraus, für das nur Eiweiß benötigt wird und lege eine 2. Backschicht ein. Ich sehe meinen Kassenzettel als Stimmzettel, mit dem ich zum Beispiel dazu beitragen kann, dass Bäuerinnen und Bauern fair bezahlt werden.

Viele dieser Tipps klingen auf den ersten Blick selbstverständlich. Manchmal hilft es aber, sie sich einfach kurz bewusst zu machen. Backen sollte vor allem Spaß und Freude machen: für Dich und für die Glücklichen, die auch davon naschen dürfen.